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Reden und Links zum Thema Israel

Auf dieser Seite finden Sie Reden und interessante Links rund um das Thema Israel. 

 

 

Botschaft des Staates Israel in Berlin

http://embassies.gov.il/berlin/Pages/default.aspx

 

Keren Hayesod Deutschland

http://www.keren-hayesod.de/

 

Jüdischer Nationalfond KKL 

http://www.jnf-kkl.de/

 

The Times of Israel 

http://www.timesofisrael.com/

 

Israel National News

http://www.israelnationalnews.com/

 

HaOlam Nachrichten aus Israel in deutsch

http://www.haolam.de/

 

AISH The world's largest Jewish content website

http://www.aish.com/

28.05.2017: Interview zum Israeltag in Kempten 2017

 

 

Kinderschminken, Falafel essen, oder mediterranes Olivenöl verköstigen. Eigentlich sollte der Israeltag 2017 in Kempten ein völlig unpolitisches und fröhliches Familienereignis werden. Als dann aus dem Nichts heraus der August-Fischer-Platz aus allen Richtungen von einem Bataillon türkisch sprechendem Mob krawallbereiter Vollbbartträger eingekesselt wurde, flüchteten Mütter mit ihren Kinderwägen verängstigt in die Einkaufspassage. Die Lage entspannte sich erst durch einen koordinierten Polizeieinsatz. Buchautor Christian Seebauer spricht mit Veranstalter Andy Eggert über die beängstigenden Szenen in Kempten.

 

 

Interview mit Andy Eggert zum Israeltag 2017 in Kempten

 

 

 

Christian Seebauer

Niemals im Leben hätte ich mir vorstellen können, dass man in Deutschland massiv Angst haben muss, wenn man an einem Israelischen Essensstand eine Falafel essen will. Was läuft schief bei uns, wenn junge – hier offensichtlich türkischstämmige – Halbwüchsige so massiv Krawall suchen? Geht es wirklich nur um Israel und Palästina?

 

Andy Eggert

Wir veranstalten den Israeltag in Kempten dieses Jahr zum sechsten Mal. Bisher war es so, dass wir im Vorfeld die Veranstaltung bei der Polizei formlos gemeldet haben und dann im Laufe des Tages ein oder zweimal eine Polizeistreife auf ihrem Weg durch die Fußgängerzone kurz bei uns vorbeigeschaut hat.

 

Ich war sehr erstaunt, als sich dieses Jahr mehr als zwei Wochen vor dem Israeltag die Polizei bei mir gemeldet hat, um ein „Sicherheitskonzept“ für die Veranstaltung zu erarbeiten. Bisher haben wir im Allgäu so etwas noch nicht gebraucht. Der Polizist meinte, die Sachlage in Kempten habe sich verändert und er werde Kollegeni zu unserem Schutz bereitstellen. Ich hielt das zu diesem Zeitpunkt für übertrieben, aber wie sich herausstellen sollte, hatte die Polizei absolut Recht und wir dem Schutz nötig.

 

Die Allgäuer Israelfreunde sehen ihre Aufgabe darin, abseits von Politik und Religion, die Menschen in Israel und im Allgäu einander näher zu bringen. Gerade auf dem Israeltag zeigen wir das Land Israel von seiner menschlichen Seite: sie können Wein und Öl kaufen, Falafel essen oder Bäume pflanzen lassen. Dadurch kann sich niemand provoziert fühlen.

 

Den jungen Männern, die nachmittags auf Krawall gebürstet rund um unseren Stand erschienen sind, ging es sicher nicht um einen positiven Beitrag zum Frieden im Nahen Osten. Ich glaube nicht einmal, dass unter den Männern viele Palästinenser waren, sonst hätten sie sicher ihre Flagge richtig herum gehalten, wenigstens, nachdem wir sie auf ihren Fehler aufmerksam gemacht haben.

 

 

Christian Seebauer

Das, was in Kempten passieren konnte, schockiert mich.

Ist Jüdisches Leben bei uns in Deutschland ganz real bedroht?

 

 

Andy Eggert

Wir erleben heute in der ganzen muslimischen Welt eine nie gekannte Radikalisierung. Wir haben uns damit abgefunden, dass in palästinensischen Schulen Massenmörder als Helden idealisiert werden und dass im TV der Hamas in Gaza Kinder gezeigt werden, die in der Schule üben, Juden die Kehle durchzuschneiden. In der ganzen arabischen Welt sehen wir ähnliche Entwicklungen: Kinder werden von frühester Jugend zum Hass auf Juden erzogen. Man muss kein Wissenschaftler sein, um zu erkennen, was das für einen Einfluss auf den Antisemitismus in Deutschland hat, wenn zehntausende dieser jungen Menschen als Flüchtlinge nach Deutschland kommen.

 

Zum ersten Mal seit dem dritten Reich gibt es heute in Deutschland jüdische Gemeinden, die ihren Mitgliedern raten, sich in der Öffentlichkeit nicht mit Kipa zu zeigen. Das sollte uns allen ein Warnsignal sein!

 

 

Christian Seebauer

Ich verstehe selbst ein paar Worte türkisch. Und ich kann sagen: Das waren überhaupt keine Palästinenser, sondern halbstarke türkisch sprechende Jungs, die hier massiv provozieren wollten und gezielt auf Krawall aus waren. Die wussten nicht einmal, wie herum man die Palästina-Flagge überhaupt hält.

Warum tun die so etwas?

 

 

Andy Eggert

Neben dem immer schon virulenten rechten Antisemitismus haben wir heute in unserem Land einen muslimischen Judenhass, der vorwiegend, aber nicht nur, unter jungen Menschen grassiert und natürlich auch einen Einfluss auf z.B. türkische Gemeinden in Deutschland hat. Die politischen Veränderungen in der Türkei tun ein übriges dazu. Es ist nicht lange her, seit Erdogan in einer öffentlichen Rede die Muslime dazu aufgefordert hat, Jerusalem zu „befreien“ und gerade jetzt läuft im türkischen TV eine Serie, in der der Begründer des Zionismus, Theodor Herzl, als Verschwörer und Mörder dargestellt wird.

 

Die Türkei, früher ein Verbündeter Israels und ein Garant für Stabilität in der Region, nähert sich in Ihrer Propaganda Schritt für Schritt ihren arabischen Nachbarn an. Und so kommt es, dass junge Menschen, die vielleicht schon in der dritten Generation in Deutschland leben, meinen, am Israeltag in Kempten randalieren zu müssen.

 

 

Christian Seebauer

Der Autor eines israelischen Kochbuches wurde mehrfach und ganz massiv mit dem Tode bedroht. Als Autor des Buches „Israel Trail mit Herz“ habe ich ähnliches erlebt. Ich kann von einer Hetzjagd auf den Sozialen Medien berichten, die nicht nur mich persönlich, sondern auch meine Familie und meine beiden Kinder namentlich bedroht haben. Muss man heute Angst haben, zu Israel zu stehen oder irgendetwas Positives darüber zu berichten?

 

Andy Eggert

2014, während der Raketenangriffe auf Israel, haben wir eine Demonstration für Israel in Kempten organisiert und ähnliches erlebt. Das ging von üblen Beschimpfungen bis zu konkreten Morddrohungen. Auch heute erhalten wir auf unserer Homepage www.allgaeuer-israelfreunde.de oder auf unserer Seite auf facebook fast wöchentlich Beschimpfungen und Bedrohungen.

 

Die sozialen Netzwerke machen es Hobby-Dschihadisten sehr einfach, von Zuhause aus Menschen zu verunglimpfen und zu bedrohen. Man darf so etwas trotzdem nicht auf die leichte Schulter nehmen und ich kann nicht verstehen, warum die deutsche Justiz, die doch so laut gegen „fakenews“ und „hatespeech“ trommelt, vor diesen Bedrohungen so konsequent und beharrlich die Augen verschießt. Wollen wir hoffen, dass es nicht eines weiteren Anschlags bedarf, bis unser Rechtssystem endlich aufwacht und reagiert.

 

 

Christian Seebauer

Gestern gingen Fotos von einer großen Friedensdemonstration in Tel Aviv um die Welt. Völlig friedlich sieht man hier Palästina-Flaggen neben Israel-flaggen. Warum sieht man so etwas nicht bei uns?

 

Andy Eggert

Wir haben die jungen Männer, die an unserem Stand erschienen sind, zu kaltem Tee und Falafel eingeladen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. An uns lag es nicht.

 

Christian Seebauer

Die junge Dame am Stand für das Kinderschminken sagte mir: „Der türkische Mob hat sich eines Klischees bedient: Die armen Palästinenser und die bösen Juden“. Wenn man „der Böse“ ist, kann man nichts richtig machen?

 

 

Andy Eggert

In Israel gibt es arabische Richter, arabische Polizisten und arabische Parlamentsangehörige. In keinem arabischen Land haben Araber so viel Rechte und so viel Sicherheit wie in Israel. Auch in den palästinensischen Gebieten leben die Menschen unter eigener Verwaltung in Sicherheit und Ruhe. Um Israel herum, ob im Irak, in Syrien, in Libyen oder in Ägypten, herrschen Tod, Hunger und Verzweiflung. Fast eine halbe Million Opfer hat der Bürgerkrieg in Syrien bisher gekostet, Libyen ist dabei, sich vor unseren Augen in einer Orgie der Gewalt aufzulösen. All das

 

interessiert die Welt nicht. Dafür läuft die Welt – auch die öffentliche Meinung in Deutschland – regelmäßig Amok, wenn ein jüdischer Hausbesitzer in der jüdischen Kleinstadt Ariel die „Siedlung“ erweitert, indem er sein Haus vergrößert.

 

Im syrischen Bürgerkrieg wurde ein Palästinenserlager, Jarmuk, belagert, ausgehungert und gestürmt, wobei tausende Menschen, auch viele palästinensische Kinder, gestorben sind. Haben Sie davon in Ihrer Zeitung gelesen? Mit Sicherheit nicht, denn das Lager liegt 40 Kilometer nördlich Israels und an der Erstürmung waren nur arabische Truppen beteiligt. Da fragt man sich doch, ob es den ganzen „Palästinafreunden“ auf dem Marktplatz in Kempten und sonst wo in Deutschland wirklich um Palästina geht oder ob sie nur ihren Judenhass ausleben wollen.

 

 

Christian Seebauer

In meinem Buch „Israel Trail mit Herz“ geht es um viele menschliche und ganz wunderbare Begegnungen. Es geht um Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe. Auch viele viele viele arabische Israelis haben mir mit Leidenschaft geholfen, genauso wie Beduinen. Und diese Geschichten erzähle ich. Manchmal habe ich nun das Gefühl, ich werde genau deshalb angefeindet, weil ich über das Gute schreibe. Zerstöre ich damit das typische Feind/ Freund-Bild?

 

Andy Eggert

Na ja, wer möchte sich seine geliebten Vorurteile schon gerne von der Realität in Frage stellen lassen?

 

Aber im Ernst: dein Buch und Vereine wie die „Allgäuer Israelfreunde“ zielen beide darauf, Vorurteile zu überwinden, indem wir abseits von Ideologie und Politik ganz einfach Menschen zeigen. Menschen mit Stärken und Schwächen, die genau dieselben Wünsche, Hoffnungen und Probleme haben wie die Menschen hier in Deutschland oder sonst wo auf der Welt. Wenn ein Leser deines Buches oder ein Besucher einer unserer Veranstaltungen das einmal verstanden hat, dann wird es ihm sehr viel schwerer fallen, sich in Zukunft von seinen Vorurteilen leiten zu lassen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns in unserem Tun nicht aufhalten oder behindern lassen!

 

Christian Seebauer

Ich kenne Dich nun schon länger und unterstelle Dir große Leidenschaft, Engagement und den Glauben an das Gute. Dein Einsatz für Israel und das Jüdische Leben in Deutschland ist immens. Wenn man nun so angegriffen wird, kann man da noch weitermachen?

 

Andy Eggert

Gerade weil man so angegriffen wird, kann man unmöglich aufhören! Für den Sieg des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun. Das können wir nicht zulassen!

Christian Seebauer

Israeltag in Kempten: Ich möchte noch einmal die wunderbaren Augenblicke zurückholen, um die es geht: Kinderschminken, Lachen, fröhlich Geburtstag feiern. Falafel essen – die beste übrigens, die ich je in Deutschland erlebt habe. Und über Erinnerungen plaudern, sprechen über das Heilige Land, das Alte Testament, Menschen abholen, Fragen beantworten (wie „Frag' den Rabbi“), Christen für Israel begeistern und Menschen begeistern, die an nichts glauben... Es geht um Liebe, nicht um Hass. Gibt es Hass im Jüdischen Glauben?

 

Andy Eggert

Kein Volk auf Erden musste mehr Hass ertragen als das Judentum, niemand hat mehr unter Hass gelitten. Die Geschichte des Judentums ist die Geschichte der Überwindung von Hass.

 

Man sagt, Hass sei die Liebe, an der man gescheitert ist. Und in dieser Definition liegt wahrscheinlich auch die einzige Lösung: die Wiederentdeckung unserer Liebe zu jüdischen Ethik, zu jüdischer Weisheit und zu jüdischem Humor ist der einzige Weg, den Hass zu überwinden. Wiederentdecken kann man aber nur, was man gesucht hat. Deshalb ist es so wichtig, den Menschen ein neues, ein anderes Bild von Israel und den Juden zu zeigen und ihnen so die Möglichkeit zu geben, ihre Vorurteile zu überdenken und zu überwinden.

 

 

Christian Seebauer

Ich halte wenig von Äußerlichkeiten. Trotzdem habe ich begriffen: Vor dir steht eine Front krawallbereiter junger Muslime der dritten Generation, die sich mit Vollbart und „Fick Dich Deutscher“-Mentalität massiv gegen unsere Gesellschaft aufstellen. Null Respekt gegenüber unseren Beamtinnen und Beamten der Polizei. „Fuck-Bullen-Selfie“ in Siegerpose auf dem Handy, schnell gepostet und Tausendfach geliked! Die wollen nicht aussehen, wie wir und die wollen auch gar nicht so sein, wie wir. Integration?

 

Andy Eggert

In Deutschland leben Menschen aus allen Kulturkreisen, die es auf diesem Planeten gibt. Nur für Muslime gibt es einen Integrationsbeauftragten. Nur Muslime fühlen sich ständig angegriffen und benachteiligt. Nur Muslime verlangen ständig, dass die Mehrheit ihre Gewohnheiten ändert und auf ihre, der Muslime, Bräuche und Vorstellungen Rücksicht nimmt. Nur Muslime sprechen davon, eines Tages in ihrem Gastland die Macht zu übernehmen.

 

Ich denke, in der gesamten muslimischen Welt sehen wir eine Tendenz zum Fundamentalismus und zur Dominanz. Islamische Staaten, die bisher tolerant waren und nach westlichem Vorbild Staat und Religion getrennt haben, wie die Türkei oder Indonesien fallen mehr und mehr zurück in religiös dominierte Regierungsformen. Europa steht vor einer großen Herausforderung, und diese Herausforderung werden wir umso schwerer bestehen, je mehr wir uns in unserem Multi-Kulti Wahn

 

weigern, diese Herausforderung überhaupt zu erkennen.

 

Viel Zeit haben wir nicht mehr.

 

 

Christian Seebauer

Deutsch-Israelische Familien? Am Israeltag hat man gesehen, was Liebe schenkt. „Er“ Israeli, „Sie“ Deutsche. Seit zwei Jahren hier, die Kinder sprechen vollkommen Akzentfrei den Dialekt, den man in Kempten spricht. Sie denken und fühlen deutsch. Und sie lieben Israel und verstehen Hebräisch. Kein Widerspruch. Eher ein klares Bekenntnis zur Realität...

 

 

Andy Eggert

Spätestens mit dem Ende der Religionskriege in Europa haben wir gelernt, dass Religion Privatsache ist und Kriege – in der Ehe und zwischen Staaten – im Namen der Religion außer Leid nichts bringen.

 

Offensichtlich ist unser größtes Problem, dass die muslimische Welt diese Erfahrungen bisher noch nicht verinnerlicht hat, wie man z.B. an der Christenverfolgung in Ägypten und in Syrien oder an den Anschlägen auf Moscheen im Irak sehen kann.

 

 

Christian Seebauer

Auch wenn der Israeltag 2017 in seiner Harmonie gestört wurde, was wird bleiben? Wofür rentiert es sich, morgen wieder aufzustehen?

 

Andy Eggert

Der Israeltag wurde in seiner Harmonie nicht gestört. Tausende Menschen haben die Stände gesehen, sich informiert, eingekauft, Gespräche geführt und nehmen dieses Bild zu sich nach Hause. Wenn sie das nächste Mal „Israel“ in den Nachrichten hören, werden sie sich an dieses Bild erinnern und, wer weiß, eines Tages werden sie Mitglieder bei uns und stehen selbst am Stand.

 

So etwas können ein paar Rabauken nicht zerstören.

 

 

Christian Seebauer

Möchtest Du meinen Satz vollenden?
„Herzen gewinnt man nicht mit Angstmacherei, sondern...

Andy Eggert

mit echter Liebe zu den Menschen“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Danke lieber Andy für dieses Interview!

19. September 2016: Interview des Südkuriers mit "unserem" Rabbiner Tovia Ben-Chorin 

 

Interview mit Christian Seebauer

 

Jutta Eggert von den Allgäuer Israelfreunden im Interview mit Christian

Seebauer auf dem Israeltag Kempten am 14. Mai 2016 

 

 

Christian Seebauer hat Israel zu Fuß entdeckt und wird heute darüber berichten. 50 Tage, 1.000 Kilometer allein, zu Fuß durch das Heilige Land kann ich mir ja noch vorstellen, aber warum ohne Geld? Wie kommt man auf so eine Idee?

 

Damit man einmal im Leben die Menschen so kennen lernt, wie sie wirklich sind! Die Idee dazu kam mir vor einigen Jahren am Jakobsweg. Hier habe ich zwei Pilger kennen begleitet, die völlig ohne Geld gewandert sind. Die haben ihr Brot dann mit mir geteilt. Das war eine unglaubliche Erfahrung und ich sagte mir immer: Wenn ich eines Tages den Mut dazu habe, dann mache ich das auch. Wenn man bettelt, dann verstellt sich keiner mehr. Was du dann bekommst, sind echte Gefühle und ein echtes Bild von Deinem Gegenüber. Genau darum geht es. Die Menschen im Heiligen Land so zu sehen, wie sie wirklich sind – und nicht, wie sie in den Medien oft dargestellt werden. Was ich selbst erlebt habe, war eine gigantische Hilfsbereitschaft und eine riesige Nächstenliebe. Jeder Schritt hat mich bewegt!

 

Du warst zuvor noch nie zuvor in Israel. Was hast Du erwartet?
Und wie war es wirklich?

 

Ich war noch nie zuvor in Israel, war auch vollkommen unvorbereitet, aber eben auch ohne jegliche Vorurteile. Ich war einfach neugierig, Israel und seine Menschen selbst zu erleben. Zu sehen, wie es wirklich dort ist. Darauf habe ich mich gefreut. Aber zu Hause habe ich vor meiner Reise auch - insbesondere meine Frau – viele Vorurteile und Bedenken gehört. Über Israel wird ja ständig fast nur negativ berichtet. Im Nachhinein kann ich nur sagen: Es war unheimlich schön dort, modern, weltoffen und extrem freundlich. Und es war, was meine vielen Begegnungen mit den Menschen am Weg betrifft auch extrem ehrlich.

 

Wie kann man sich diesen Weg vorstellen? Du schreibst ja, dass du sich immer wieder einmal verlaufen hast...

 

Man kann sich den Israel National Trail oder auch 'Shvil Israel' durchaus ein bisschen wie den Jakobsweg vorstellen. Nur hier finden Pilger vielleicht das, was sie sich vom Jakobsweg gewünscht hätten: Ruhe und innere Einkehr. Im Norden ist der Israel Trail durchaus so, wie man sich einen schönen und gut markierten Wanderpfad im Allgäu vorstellen kann. Eigentlich kann man sich da gar nicht verlaufen. Zumindest nicht, wenn man nicht vor sich hinträumt. Aber natürlich passiert genau das, weil es ja einfach traumhaft schön ist.

Ich habe mich immer wieder verlaufen. Gott sei Dank konnte ich das Verlaufen im Norden sozusagen trainieren! In der Wüste Negev darf das nicht passieren, da wird Verlaufen ohne Wasser ganz einfach lebensgefährlich. Wer nicht zurückfindet ist am nächsten womöglich Tag tot.

 

Du schreibst im Buch viel über menschliche Begegnungen.
Welchen Menschen
begegnet man am Israel Trail überhaupt?

 

Gott sei Dank keinen Politikern! (schmunzelt). Nein, es sind die ganz normalen, die einfachen Menschen, denen du am Weg begegnest. Also einfach jeder. Israelis, arabische Israelis, Juden, Muslime, Christen, Drusen, junge Menschen und alte Menschen, Frauen, Männer, allein oder in kleinen Wandergruppen, Langzeitpilger und Tageswanderern. Sportler, Nichtsportler. Kinder, Eltern, Großeltern. Gesunde und Kranke. Gläubige und solche, die nicht glauben.

 

Und das Schöne daran ist: Du weist ja nie, wer da gerade vor dir steht. Ein einfacher Künstler, ein Angestellter oder ein Vorstand eines großen Konzerns. Vielleicht wandern ja auch Politiker, dann aber würde man sie vermultich als Pilger und als echte Mescnhen erleben. Hier am Israel Trail sind alle gleich; sie interessieren sich für das Heilige Land, das Pilgern, die innere Einkehr. Sie glauben an das Verbindende, an das Friedliche. Sie treffen sich im Vorbeigehen, umarmen sich vielleicht kurz, klopfen sich auf die Schulter und wünschen sich einen guten Weg. Aber dieser kurze Moment ist einfach echt bewegend, denn er ist echt. Da draußen kommen sich alle Menschen nahe. Alle!

 

Jeden Tag um Brot und Wasser betteln. Wie viele Neins bekommt man da eigentlich?

 

(wird sehr nachdenklich) Eigentlich bekommt man fast gar keine Neins. Das hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Das Schwierige war eher, dass du jeden einzelnen Tag immer wieder über deinen verdammten Stolz springen musst und dein Gegenüber um etwas bitten musst. Hast du ein kleines Stück Brot für mich? Möchtest du mir ein wenig Wasser geben? Du kommst ja als Bettler plötzlich aus einer anderen Welt. Niemand bringt dir Respekt oder Gefühle wegen Deinem Geld entgegen. Das scheidet definitiv aus. Du hast überhaupt keinen Stolz mehr und keine Schutzhülle um dich herum. Du bist in einem solchem Moment total schutzlos. Du bist Bittsteller und Bettler. Du stinkst mittlerweile. Und ja, du schämst dich manchmal zu Tode. Stellst oft in Frage, was du da tust und warum du das tust. Und wenn dich in einem solchen Moment einer Umarmt und dir eine Scheibe Pitabrot schenkt... (stockt, bekommt feuchte Augen)

das kann man nicht beschreiben.

 

Das fliesen manchmal einfach auch die Tränen. Und du kannst das nicht kontrollieren. Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass ich – wenn ich in ein Stück Brot beiße – dass mich das so bewegt. Aber man fängt an, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Etwas an sich herankommen zu lassen. Etwas Essbares zu schätzen. Und: Den zu schätzen, der dir da gerade etwas gibt.

 

Und Du hattest keinen Notgroschen dabei?

 

Nein. Oder besser gesagt: Ich weiß es nicht. Meine Kinder haben mir einen bemalten und versiegelten Briefumschlag mit auf den Weg gegeben. Eingeschweißt in Folie. Der hängt heute noch ungeöffnet an meinem Schreibtisch. Aber es war ja für mich ein selbstgewähltes, ein „Luxusproblem“, ohne Geld auf die Reise zu den Herzen zu gehen. Ich habe ein Handy dabeigehabt. Und ich hätte auch jederzeit abbrechen können. Meine Frau anrufen und sagen: Ich kann nicht mehr, hol' mich da raus. Aber irgendwann unterwegs begreifst du natürlich auch: Das ist jetzt kein Spiel mehr, das ist dein ganz eigener selbst bestimmter Weg. Du musst ihn gehen. Und da sind so viele andere, die glauben an dich, haben dir geholfen, sind dir für einen Augenblick begegnet und du nimmst sie natürlich in deinem Herzen mit am Trail.

 

Am Berg Tabor – habe ich gelesen, hatte ausgerechnet ein Deutsches Rentnerpaar vor dir richtig Angst, weil du ihnen ein gemeinsames Foto machen wolltest. …

 

Das war schon irgendwie kurios. Mir war schon klar, dass ich längst zu einem niemand geworden bin. Nicht aber, dass ich anderen Angst einjagen würde. Da waren die beiden deutschen Rentner-Touristen und ich fragte sie, ob ich ein gemeinsames Foto von ihnen machen solle? Doch sie nahmen sofort Reißaus vor mir, wohl hatten Angst, dass ich sie bestehlen könne. Wenn du dann allein da sitzt, denkst du schon über vieles nach. Und es wird dir klar: Vorurteile lassen dem Guten einfach keine Chance. Die Menschen laufen wohl oft vor dem Guten davon. Und Israel war nur gut zu mir. Es hat mir manchmal fast das Herz zerrissen, dass ich immer nur annehmen 'musste' und auf diesem Weg nichts zurückgeben konnte. Aber vielleicht ist es genau das, was mir auf dieser Reise klar geworden ist. Man muss etwas zurückgeben in dieser Welt, vielleicht an einen ganz anderen.

 

Viele besuchen ja das Heilige Land, um möglichst viele Historische Plätze zu besuchen. Man könnte auch sagen „Jesus was here“ … Wie sieht man das als Wanderer?

 

(lacht) Jesus was here – Ja, so eine Tafel gab es tatsächlich einmal in der Nähe des See Genezareth. Und ich dachte mir, vielleicht war Jesus mit seinen Jüngern ja gar nicht dort, wo die Tafel heute steht. Vielleicht war er ein paar Meter genau hier unter dem Olivenbaum, unter dem ich gerade sitze. Wenn du zu Fuß unterwegs bist, wandelst du natürlich 50 Tage lang auf Heilgem Boden. Ich hätte mir oft ein Buch gewünscht, was mir erklärt, vor was ich gerade stehe. Aber ein dickes Buch kann man natürlich als Wanderer nicht mitnehmen. Als Wanderer entgeht einem so sicherlich viel Historisches, aber man sieht alles mit dem Herzen, man hat Zeit für eigene Gedanken.

Jeder kleine Stein bekommt eine eigene Bedeutung, du kannst deiner Fantasie freien Lauf lassen.

 

Ein krasses Beispiel sind die Karmel Berge, wo 2010 verheerende Waldbrände viel Land vernichtet haben. Manche sehen sich das als interessierter Tourist sicher an, aber sie sehen dann eigentlich nur ein paar Stellen und Denkmäler, zu denen man sie hinbringt. Zu Fuß ist alles viel größer. Ich war durch die ehemaligen Waldbrandgebiete ganze drei Tage lang unterwegs. Da wird einem die riesige Dimension klar, die man als Busreisender so wohl niemals erfassen kann.

 

Und ganz ähnlich ist es auch mit religiösen Themen, mit Gott, mit der Geschichte und mit allem, über dass du dir als langsamer Fußgänger Gedanken machen kannst.

 

Du hast meistens unter freiem Himmel geschlafen, hin und wieder aber auch ein Dach über dem Kopf gehabt. …

 

Es war herrlich. Im Norden Israels kann man oft auf Trail Angels zurückgreifen. Trail Angels, das sind Engel am Weg, die dir hin und wieder ein Dach über dem Kopf anbieten, eine Dusche oder etwas Essbares. So oft es ging, habe ich im Zelt geschlafen. Aber das habe ich dann verschenkt. Bei Tsur ist es in guten Händen. Er ist heute viel mit diesem Zelt unterwegs. Im Süden, in der Wüste Negev habe ich dann unter freiem Himmel geschlafen. Der Sternenhimmel ist fast wie in einem Sciencefiction-Fiction-Film. Gigantisch!

 

In Nazareth durftest du sogar im Hotel übernachten und arbeiten,

eine witzige Geschichte …

 

Naja, so witzig war das alles gar nicht. Ich habe auf meinem Weg hoch nach Nazareth Illit viele Neins bekommen. Es waren aber auch Neins, die ich da selbst auf mich gezogen habe, weil ich irgendwie nicht mehr geglaubt habe. Und wer schon mit dem Gedanken klingelt 'das wird eh nichts', dem geschieht es natürlich auch so. Zu Recht! Und fast ganz oben angekommen, war dann schließlich nichts mehr, außer einem der teuersten und edelsten Hotels schlechthin. Das war unerreichbar, wie aus einer anderen Welt, das St. Gabriels Hotel. Ich der Bettler. Dort das Bett?

 

Gott muss mir da wohl einen Blitz ins Gehirn einschlagen haben lassen, jedenfalls bin ich plötzlich aufgestanden, zielstrebig wie ein Hochstapler auf das Hotel zugegangen und habe zu den Sicherheitskräften gesagt, ich hätte gleich einen Termin mit dem Hotelchef. So war es dann natürlich auch tatsächlich, denn der Hotelchef stand bereits vorinformiert an der Rezeption, weil er wissen wollte, welcher Penner da so frech ist. Dass er mich für mein Brot und für eine Unterkunft in der Küche arbeiten hat lassen, hat mir an diesem Tag ein klein wenig von meinem implodiertem Selbstwertgefühl zurück gegeben. Ich war ihm extrem dankbar, dass ich für etwas Essbares endlich einmal eine winzige Gegenleitung erbringen durfte. Witzig war das allenfalls in der Rückschau. Ich bin auf ein großes Herz gestoßen und das macht dich dann schon sehr sehr klein.

 

Heute ist ja auch der JNF-KKL hier. In deinem Buch beschreibst du immer wieder, wie du die Arbeit des KKL erlebt hast …

 

Keren Kayemeth LeIsrael – Israels größte grüne Hilfsorganisation. Als Fußgänger am Israel National Trail erlebst du den KKL auf Schritt und Tritt. Und da begreift man auch, wie riesig die Dimensionen der Hilfe sind. Die haben mittlerweile an die Zweihundertmillionen Bäume gepflanzt und ein halbes Land begrünt. Hätte ich es nicht als Wanderer selbst erlebt, ich hätte mir solche Größenordnungen schlicht nicht vorstellen können. Es ist ja nicht so wie in Deutschland, dass man einfach nur warten muss, bis wieder irgendwo von selbst etwas wächst.

 

In Israel ist jeder einzelne Baum von Hand gepflanzt. Und der muss dann auch Jahre lang gehegt und gepflegt werden, damit er überhaupt eine Chance hat. Ein Wahnsinns Aufwand! Ich weiß – ja - hier bei den Allgäuer Israelfreunden gibt es Spenderinnen und Spender, die sich seit vielen Jahren für die Wälder in Israel einsetzen. Schon mit 18 Euro kann man einen Baum für KKL spenden, manche haben mittlerweile aber auch schon einen ganzen Wald gespendet.

 

Und da geht es meiner Meinung nach um viel viel mehr, als einfach nur um einen Wald. Es geht um eine grüne Zukunft. Es geht um den Glauben an etwas Positives, an etwas Nachhaltiges. Man kann so eine Spende gar nicht hoch genug einschätzen. Das hat etwas sehr Emotionales – für mich jedenfalls. Ich durfte für KKL einen Baum pflanzen. Und ich sage Euch allen hier, das ist etwas so Tiefgreifendes, dass man sein Leben lang nicht mehr vergessen wird. Ich habe auf meinem Weg als Bettler Eure Bäume gesehen. Ich habe gesehen, dass da nicht „Hans“ oder „Erika“ draufsteht, sondern dass ihr da alle gemeinsam an etwas ganz Großem wirkt. Dafür bin ich Euch allen zutiefst dankbar. Was ihr für Israel und für den KKL tut, ist großartig.

 

Christian, eine ganz persönliche Frage. Du kommst aus Dachau. Hast Du das so gesagt? Und wie reagierten die Menschen darauf?

 

Ja, ganz klar: Ich bin der Christian aus Dachau. Und ganz klar, das habe ich auch so gesagt. Und ja: Ich habe die ein oder andere kurze Schrecksekunde erlebt.

 

Doch nie hat mich hier in Israel die Vergangenheitskeule eingeholt.

 

Was ich erlebt habe, war das komplette Gegenteil von allem, was überhaupt vorstellbar ist. Dass da ein älterer Jude zu mir sagt „Weißt Du, das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich einem Deutschen ein Stück Brot geschenkt habe und ich bin froh, dass ich dich getroffen habe ...“ (schweigt)

 

das ist (schweigt wieder)

 

Herzzerreißend!

 

Das macht dich sprachlos. Dankbar. Und du spürst, dass das gerade ein extrem intimer Moment war, den du erleben durftest. Da sind sich zwei Menschen begegnet. Und in diesen wenigen Sekunden hat sich im Kopf vielleicht mehr abgespielt, als sonst in vielen Jahren. Und fast sieben Wochen lang durfte ich jeden Tag nur deshalb immer weiter und weiter gehen, weil mir einfach jeder geholfen hat. Weil jede einzelne Sekunde eine Sekunde mit menschlichen Werten war. Das waren Begegnungen ohne Vorurteile. Immer mit großer Courage. Mit Neugier. Und mit Nächstenliebe. Ich denke, es gibt ganz viele Wege, um uns näher zu kommen. Heute feiern wir Israels Geburtstag. Es ist egal, ob wir Kuchen backen, gemeinsam Musik machen, lesen, zuhören, tanzen, lachen, tauchen, Urlaub machen, lernen oder wie ich wandern. Zu Wandern ist nur eine der vielen Türen, die sich öffnen, wenn wir nur wollen, uns auf einander einzulassen, uns besser zu verstehen und füreinander einstehen.

 

Unterwegs hast du teilweise sehr große Strapazen auf dich genommen. Hitze, Hunger, Durst, viel zu schweres Gepäck...

Hast Du auch einmal ans Aufgeben gedacht?

 

Ganz klar ja. Das erste Mal hätte ich am liebsten schon am Flughafen Tel Aviv aufgegeben. Ich dachte mir: Was du vorhast, ist völlig utopisch. Das kann man nicht machen. Nicht als Deutscher. Nicht als Dachauer. Nicht in Israel. Und ich dachte auch: Ich selbst werde das niemals schaffen. Ich kann das einfach nicht. Doch bereits am Flughafen sagte ein Mann zu mir „Wenn es irgendwo auf der Welt geht, so einen Weg zu gehen, dann hier, in Israel. Du wirst sehen: Jeder wird dir hier helfen. Du musst aber auch lernen, Hilfe anzunehmen.“

 

Aber auch unterwegs bin ich immer wieder an eigene Grenzen gestoßen, wo ich fast aufgegeben hätte. Doch da haben mir bereits schon so viele Israelis geholfen und an mich geglaubt, auch meine Familie und meine Kinder haben an mich geglaubt. Und ich wollte es ja auch so. Dass es kein einfacher Weg werden würde, war mir klar. Es ist aber nicht meine Geschichte, sondern es ist die Geschichte von den täglichen Begegnungen, von all den lieben Seelen, die mich immer ein Stück vorwärts getragen haben. Es war deren großartige Leistung. Nicht meine!

 

Ich habe mich auch an das 'Vater Unser' erinnert. Hier heißt es ja „Unser tägliches Brot gib uns heute“, was so viel bedeutet wie, dass wir für den Augenblick dankbar sein sollen und uns nicht schon Sorgen über den nächsten Tag machen sollen. Mein Ziel „Eilat“ war ohnehin so unendlich weit entfernt, dass ich niemals fest daran gedacht habe. Dass ich dort tatsächlich angekommen bin, ist der Verdienst all derer, die mir geholfen haben, die mich umarmt haben und die mir Liebe und Vertrauen geschenkt haben. Sie haben mir oft auch gesagt: Ich soll auf Gott hören!

 

Im Maktesh Katan Krater sind immer wieder Wanderer an Selbstüberschätzung gestorben. Dehydriert und erst Tage später gefunden worden.

Du selbst warst deinen Grenzen hier sehr Nahe?

 

Ja. Ich war bereits seit Tagen recht schwach unterwegs, hatte wenig gegessen. Und ich war total erschöpft. Am Rande meiner Kräfte. Im Krater ist es plötzlich windstill, hat unmenschliche Temperaturen. Und ich bin immer wieder vor Erschöpfung getaumelt und gestürzt. Schließlich kam mir Levi mit seiner israelischen Reisegruppe mitten im Krater entgegen, fast wie eine Fatamorgana. „You need water?“, haben sie mir schon von weitem zugerufen. Levi hat mir einige seiner Vorräte geschenkt, es war sein letzter Tag auf dem Trail. Ich habe Levi umarmt, musste weinen. Und dann fängt man an, sich wie ein scheuer Hund zu verhalten, dem man einen Knochen schenkt. Ich bin Kilometer weit in den Krater gerannt, um schließlich meinen „Knochen“ allein zu essen. Das Gefühl von Scham, Dankbarkeit und Schmerz ist unbeschreiblich groß.

 

Da war alles weit jenseits meiner bisherigen Grenzen. Um für ein Stück Brot Rotz und Wasser zu weinen und zu fühlen, was das eigentlich alles gerade für dich bedeutet, ist schon grenzwertig. Ich bin noch nie in meinem Leben Menschen so Nahe gekommen. Dafür bin ich unendlich dankbar und glücklich. Man wird natürlich kein anderer Mensch dadurch, aber ich hoffe schon, dass ich mir ein wenig davon behalten kann und in Zukunft eben auch sehe, wenn andere Meine Hilfe brauchen.

 

Israel zum Beispiel als Land oder die Juden in unserem Land stehen manchmal wohl auch ziemlich alleine da. Wir sollten anfangen, mit unserem Herzen zu sehen!

 

Um Brot und Wasser zu betteln, kann ich mir im Norden noch vorstellen. Aber nicht in der Wüste. Hier hattest Du Wasservorräte

 

In der Wüste um Wasser zu betteln, das geht gar nicht. Damit würdest du andere unmittelbar und akut selbst in Lebensgefahr bringen! Ich hatte vor meiner Reise Uniprofessor Haim Berger aus Midreshet Ben Gurion um Hilfe gebeten. Er hat mir Wasservorräte an einigen wichtigen Punkten vergraben. Ich habe also hier buchstäblich mein Leben in fremde Hände gelegt. Haim Berger unterstützt seit jeher Studenten aus Israel am Trail mit seinen Depots. Wer den Israel Trail macht, kann sich von ihm Wasserdepots anlegen lassen. Dass Haim mir schließlich das Wasser geschenkt hat, war eine großartige Geste. Ohne ihn wäre das Vorhaben so nicht möglich gewesen.

 

Einmal schreibst du im Buch, der schlimmste Moment in Israel wäre für Dich gewesen, etwas Essbares von Kindern anzunehmen …

 

Ja, da wollte ich definitv alles hinwerfen. Das war jenseits von allem für mich noch Vertretbaren. Ich saß erschöpft und mit blutig aufgeschlagenem Knie auf dem Aufstieg zu einem Aussichtsberg. Als ich viele Kinderstimmen hörte. Sie waren mit zwei Elternpaaren unterwegs zu einer Geburtstagsfeier auf dem Berggipfel und alle fragten mich im Vorbeigehen: „Bist du o.k.? Brauchst du Hilfe?“

 

Ich Idiot sagte allen: Nein, es geht mir gut.

 

Als ich schließlich viel später am Berg bei den Kindern ankam, stolperte ich wieder. Eine der Mütter versorgte mein blutendes Knie und sagt zu ihrem Sohn „Gib dem Mann doch mal deinen Müsliriegel“.

 

Das war zu viel für mich. Ich wollte da nur davonrennen. Aufgeben. Aufhören. man kann doch einem Kind nicht das Essen wegnehmen. Ich habe mich extrem schlecht gefühlt, merkte aber das das Kind mir unbedingt seinen Müsliriegel geben wollte und dabei Freude hatte. Aber nein, so einen Moment kann man mit Worten gar nicht mehr beschreiben. Ich kann heute nur ganz im Stillen beten und leise sagen: Danke!“

 

Gibt es ein besonderes Erlebnis, was Du nie mehr vergessen wirst?

 

Der Shvil selbst war dieses besondere Erlebnis. Er hat mir mehr gegeben, als der Jakobsweg. Und es war in meinem Leben auch der Höhepunkt. Ich werde Israel und seine Menschen nie mehr vergessen. Ich habe sie in mein mein Herz geschlossen. Es war ja so, dass ich jeden einzelnen Tag, also 51 Tage immer auf gute Menschen gestoßen bin, die mir geholfen haben. Nur deshalb konnte und durfte ich immer weiter gehen.

 

Als Du nach 50 Tagen das erste Mal das Rote Meer siehst, hast Du gar nicht gejubelt, lese ich in deinem Buch. Du beschreibst diesen Moment eher als depressiven Moment?

 

Das ist vielleicht für einen Außenstehender gar nicht zu verstehen. Bis zum letzten Tag habe ich nicht wirklich begriffen, warum mich Gott und die Menschen in Israel immer noch weiter laufen ließen. An ein Ziel habe ich längst nicht mehr gedacht. Bin immer nur aufgestanden und gegangen. Und da war es plötzlich – aber es war nicht mehr mein Ziel. Der Israel Trail ist ja keine sportliche Leistung, sondern es ist ein Weg der inneren Einkehr. Ein Weg des Verstehens und des Begreifens. Aber er lässt dich am Ende auch orientierungslos zurück! Wenn du plötzlich wieder in deine alte Welt passen sollst. Geht das noch? Du hast dich selbst verändert. Der Weg hat dich verändert. Und die Menschen. Du willst nicht mehr ankommen, sondern am liebsten zurück zu den Menschen, die dir geholfen haben. Zurück in die Wüste!

 

Dein Buch ist kein politisches Buch. Und es ist ja auch kein reiner Reiseführer.

Wer liest dein Buch „Israel Trail mit Herz“ denn?

 

Das weiß ich natürlich nicht. Ich wünsche mir nur, dass mich meine Leserinnen und Leser begleiten. Weiß schon – das geht natürlich nicht wirklich, aber wer weiß das schon. Auf jeden Fall möchte ich in meinem Buch den Leser wirklich mitnehmen. Ich möchte mich nicht vor ihm verstecken, sein, wie ich bin und ihn als echten Freund und Weggefährten gewinnen. Und da kann der Leser auch im „echten“ Leben im Rollstuhl sitzen, alt sein – Hauptsache, er oder sie haben den Mut, mit mir in Gedanken mitzugehen. In Gedanken zu erleben, wie schön und anders es im Heiligen Land ist, wie nahe wir uns kommen können. Träumen ist ausdrücklich erlaubt. Lesen kann es jeder: Pilger, Jakobswegbegeisterte, Sinnsuchende, Selbstsuchende, solche, die Gott suchen und finden möchten, Juden, Christen, Muslime, all jene, denen Frieden und die Sehnsucht nach menschlichen Werten wichtiger ist, als Negativschlagzeilen. Solchen, die Israels Geburtstag feiern und die an Verständigung und an das Gute glauben.

 

Was man in meinem Buch nicht findet, ist Politik. Darüber sollen andere schreiben. Was man aber findet, ist Nächstenliebe und Dankbarkeit.

 

Danke, liebe Allgäuer Israelfreunde, Danke liebe Zuhörerinnen und Zuhörer und Danke an alle, die heute am Israeltag trotz strömendem Regen einen kurzen Moment innegehalten haben und zu Israel gestanden sind!

 

Dann wünsche ich Dir viel Erfolg!

 

Den wünsche ich EUCH allen. Bis zum nächten Mal! 

 

Andy eggert im interview mit Christian Seebauer 

 

Christian Seebauer ist Autor des Buches "Israel Trail mit Herz" 

 

Ein Interview mit Andy Eggert, Vorstand der Allgäuer Israelfreunde über die Sicherheit am Israel National Trail und über Israel ganz allgemein.  

 

Das ganze Interview wurde veröffentlicht von der Jüdischen Rundschau, Ausgabe Mai 2016 . Link: http://juedischerundschau.de/israels-sonnigere-alternative-zum-jakobsweg-135910475/

 

 

24.04.2016

 

 

INT: Als Vorstand der Allgäuer Israelfreunde engagieren Sie sich seit vielen Jahren für ein besseres gegenseitiges Verständnis zwischen Deutschland und Israel. Immer wieder mahnen Sie dabei eine faire Berichterstattung an, sind Erklärer, Brückenbauer. Oft finden Sie aber auch sehr klare Worte. Themen wie „Wandern in Israel“ haben da vermutlich bis jetzt keine Rolle gespielt?

 

 

Ganz im Gegenteil. Ein wichtiges Anliegen der Allgäuer Israelfreunde ist es, die Menschen im Allgäu und in Israel einander näher zu bringen. Und das geht nur, wenn man einzelne Aspekte des Lebens im jeweiligen Umfeld beleuchtet, sich also bewusst abseits der politischen Diskussionen hält. Auf unserer Facebook-Seite der letzten Woche findet sich z.B. ein Bericht über einen Kibbuznik, der Bergführer im Allgäu geworden ist, Rezepte für das bevorstehende Pessachfest und kurze Videoclips über israelische Städte. Auch unsere Israel-Tage (der nächste findet am 14. Mai in Kempten statt) sind so ausgelegt, dass die Besucher mit Angeboten wie Musik und Spezialitäten für Israel interessiert werden sollen, nicht mit politischen Diskussionen.

 

Selbstverständlich können wir die Terrorwelle, unter der israelische Zivilisten seit Monaten zu leiden hat, genauso wenig ignorieren wie die einseitige und ungenaue Berichterstattung darüber in deutschen Medien. Wie sollen wir als Israelfreunde still sein, wenn ein feiges Attentat auf einen Bus, bei dem durch einen glücklichen Zufall „nur“ 18 Verletzte zu beklagen sind, in deutschen Medien anfangs als „Mehrere Verletzte bei einem Brand in einem Bus in Jerusalem“ berichtet wird?

 

Sinn unserer Arbeit ist aber weniger der politische Diskurs, sondern viel mehr, Menschen zueinander zu bringen. Und dafür sind gerade Themen wie der „Israel-Trail“ oder das Buch darüber sehr wichtig, weil sie Geschichten von Menschen erzählen und damit wirksam Vorurteile abbauen helfen.

 

 

INT: Immer mehr Pilger interessieren sich für den Israel National Trail, manche sehen in ihm schon die ultimative und jungfräuliche Alternative zum Jakosweg. Wer seine Pläne unbedacht äussert, wird womöglich von allen Seiten – auch aus dem eigenen Bekanntenkreis - mit negativen Aussagen über Israel „bombardiert“ und verunsichert werden. Muß man in Israel Angst haben?

 

 

An dieser Frage kann man sehr schön den Unterschied von „medialem Bild“ und „Wirklichkeit“ fest machen: Jede Statistik, aber auch jeder, der schon einmal selbst im wunderschönen Urlaubsland Israel war, kann bezeugen, dass das Land für Urlauber und Wanderer sehr sicher ist. Die Menschen in Israel sind gastfreundlich und aufgeschlossen, als Tourist ist man in dem Land herzlich willkommen. Die allermeisten Menschen kommen von ihrer ersten Reise nach Israel mit einem völlig verändertem Bild des Landes und seiner Bewohner zurück. Und genau das ist es auch, was ich all den Skeptikern empfehle: „Schaut euch das Land mit eigenen Augen an und bildet euch selbst euer Urteil!“

 

 

INT: Oft werden Sicherheitsfragen diskutiert. Wer den Israel National Trail als Ganzes durchwandern möchte, ist ca. 50 Tage zu Fuß durch Israel unterwegs. Womöglich sogar allein. …

 

 

Der Israel National Trail ist ein Erlebnis, bei dem es eine ganze Menge Gefahren einzuordnen gibt. Man ist in der Wüste allein unterwegs und muss mit Kälte, Hitze, Wasserverbrauch und vielen anderen Herausforderungen zurecht kommen. All das verlangt ein hohes Maß an Planung und Vorbereitung. Um das einschätzen zu können, sollte man vorher das Buch von Christian Seebauer gelesen haben. Dem sind auf seinem Weg durch Israel nur freundliche und hilfsbereite Menschen begegnet und sein größtes Problem mit seiner „Sicherheit“ war der Moment, als ihn ein israelischer Barbesitzer von seiner Terrasse geworfen hat.

 

 

INT: „Raketen aus Gaza, Bombenattentate, Messerattacken, Terror, Hamas, Palästina, Siedlungspolitik“ - Nur ein paar willkürlich Stichworte, die unsere Medien beherrschen und die einem auf Anhieb einfallen könnten. Warum schaffen es die guten Meldungen nicht in die Medien? Und was davon bekommt man als Wanderer im Heiligen Land mit?

 

 

„Only the bad news are good news“ - dieser Grundsatz gilt wohl in der gesamten Medienwelt, nicht nur, wenn es um Israel geht. Was beim Thema Israel hinzukommt – leider nicht nur bei deutschen Medien –, ist eine gewisse Verbissenheit, mit der unsere Zeitungen und TV-Anstalten versuchen, das Land in den schwärzesten Farben darzustellen. Man muss sich das einmal vorstellen: in der ganzen Region herrschen Analphabetismus, Armut, Unterdrückung und in den letzten Jahren blutige Bürgerkriege. In diesem Meer von Grausamkeiten gibt es eine Insel der Freiheit, der Demokratie, wo Gleichheit der Geschlechter und Gleichheit vor dem Gesetz herrschen und wo Menschen frei ihr Glück machen können: Israel. Und genau dieses Land ist es, dass in unseren Medien ständig verteufelt wird!

 

Aber das „wahre“ Israel sieht eben ganz anders aus! Ich kann jedem interessierten nur wärmstens empfehlen, selbst nach Israel zu reisen und sich selbst ein Bild von dem Land und seinem Menschen zu machen. Israel ist sicher und es ist ein faszinierendes Reiseland!

 

 

INT: Bleiben wir bei den Vorurteilen. Viele Deutsche haben womöglich ein ungutes Gefühl bei dem Thema „als Deutscher nach Israel“ zu gehen, man könnte ja auch mit der Vergangenheit konfrontiert werden?

 

 

Niemand, der heute nach Israel als Urlauber kommt, ist persönlich für die Verbrechen der Shoah verantwortlich. Das war eine andere Generation. Viele Menschen, die als Urlauber oder Pilger ins Heilige Land kommen, spüren eine Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sich so etwas nie mehr wiederholt. Diese Menschen finden in Israel viele Orte, an denen sie der Vergangenheit gedenken können und – noch – viele Menschen, die diese Vergangenheit erlebt haben.

 

Daneben gibt es aber auch viele – vor allem jüngere – Menschen, die einfach nach Israel kommen, um in Eilat zu baden, die Nächte in Tel Aviv zu erleben , oder eine Wanderung durch die Wüste zu unternehmen. Israel ist ein faszinierendes Urlaubsland und jeder Gast kann sich seinen Urlaub zu zusammenstellen, wie er möchte.

 

 

INT: Also auf nach Israel! Typische Situation: Der Mann (oder umgekehrt) würde sich gerne ein paar Tage am Israel Trail versuchen, möchte aber seine Familie nach Israel mitnehmen. Vorstellbar?

 

 

Warum nicht? Israel ist das einzige Land der Welt, in dem man vormittags in einem tropischen Korallenriff tauchen, mittags mit einem Kamel durch die Wüste reisen und nachmittags Ski fahren kann! Und wem das noch nicht reicht, für den gibt es die Nächten am Strand von Tel Aviv!

 

 

INT: Neben reinem „Jesus-Tourismus“ kann man also auch noch andere Sachen machen?

 

 

In den letzten Jahren ist Israel zu einer „In“ Destination des globalen Tourismus geworden. Mittlerweile gibt es spezielle Angebote für praktisch jede Zielgruppe, vom „Jesus-Touristen“ über den Naturliebhaber bis zu den Touristen, die einfach nur ein paar Tage am Strand entspannen wollen. Im Unterschied zu praktisch allen Ländern der Region herrscht in Israel ein tolerantes und weltoffenes Klima: man macht Urlaub bei Freunden!

 

 

INT: Nochmal zurück zur Familie. Könnte man einen Tag – sagen wir mit einem Leihwagen – raus fahren in die Negevwüste und dann auch einfach seinen Kindern und seiner Frau die Wüste zeigen? Ist so etwas möglich?

 

 

Natürlich ist so etwas möglich. Wie in allen Wüstengegenden kann es nicht schaden, sich vor der Tour über örtliche Gegebenheiten zu informieren, aber ansonsten spricht nichts gegen eine Tour durch die Wüste. In Israel gibt es z.B. in der Arava eine ganze Reihe interessanter Ziele, die man bei einer solchen Tour besuchen sollte. Oder wollen Sie ernsthaft Israel verlassen, ohne mit ihrer Familie den „Brunnen der ewigen Jugend“ besucht zu haben?

 

 

INT: Auch gerne gefragt: Wie ist die ärztliche Versorgung in Israel. Wenn etwas passiert, dann …

 

 

… hat man den gleichen medizinischen Standard wie in Deutschland. Das ist nicht ganz richtig, denn in einigen Bereichen ist die Medizin in Israel weiter als in Deutschland. Ich kann dazu ein Beispiel aus meiner Familie nennen: meine Frau hat sich ihre Zahnimplantate bei einem Spezialisten in Tel Aviv machen lassen. Die Qualität ist sehr gut, und die Behandlung hat inklusive zweimal 10 Tagen Urlaub deutlich weniger gekostet als in Deutschland.

 

 

INT: Wie teuer ist Israel eigentlich?

 

 

Es gibt für Israel mittlerweile schon erste Pauschalangebote für Flug und Hotel. Wenn der neue internationale Flughafen in Eilat eröffnet, werden sehr viel mehr derartige Angebote auf den Markt kommen: Israel möchte jugendliche Urlauben verstärkt ansprechen.

 

Wenn meine Frau und ich nach Israel kommen, nehmen wir eine Ferienwohnung und einen Mietwagen. Das Leben in Israel entspricht dann in etwa den Kosten, die wir von Deutschland gewohnt sind.

 

 

INT: Essen spielt im Urlaub schon eine große Rolle. Was und wie isst man eigentlich in Israel?

 

 

In Israel leben Menschen, deren Vorfahren aus über 140 Ländern gekommen sind. All diese Menschen haben ihre Rezepte, ihre Gewürze und ihre Art zu kochen mitgebracht. Wenn man die israelische Küche also in einem Wort beschreiben soll, dann wäre das „vielfältig“.

 

Natürlich gibt es Gerichte, die man in Israel gegessen haben muss: Falafel zum Beispiel, Shashuka oder Hummus. Israel ist ein Paradies für Fingerfood: einfach die Stände entlang gehen und rechts und links kosten!

 

 

INT: (lacht) … Israel ist ein schönes Land, weil ...

 

 

… dort wunderbare Menschen leben!

 

 

INT: Wer noch nicht viel über Israel weiß, den würde vielleicht überraschen, dass …

 

 

.. die gesamte Landschaft, all die tiefen Wälder, die Flüsse, all die Felder und die ganze Natur von Menschenhand geschaffen sind und erst wenige Generationen existieren. Vor 100 Jahren war das ganze Land wüst und praktisch menschenleer. Nur durch unendliche Arbeit konnte das Naturparadies geschaffen werden, das Israel heute ist.

 

 

INT: Nicht jeder spricht hebräisch. Wie kann man sich im Heiligen Land verständigen? Kann man Verkehrsschilder und Landkarten überhaupt lesen?

 

 

Alle Schilder in Israel sind hebräisch, englisch und arabisch. Orientierung ist also kein Problem. Ebenso wenig die Sprache: praktisch jeder Israeli kann englisch.

 

 

INT: Was muss man wissen, wenn man nach Israel reist? Wie kann man sich vorbereiten?

 

 

Man muss gar nichts wissen, wenn man einfach nur eine Woche Badeurlaub in Eilat machen will. Menschen, die wegen spezieller Interessen nach Israel kommen, werden sich ganz von alleine auf ihren Urlaub vorbereiten.

 

 

INT: Als Christ am Israel Trail... Für Juden ein Problem? Als Christ ein Problem?

 

 

Warum sollte das ein Problem sein? So lange man anderen Menschen mit Respekt begegnet, werden diese den Respekt erwidern. Israel ist ein freies Land, in dem jeder seinen Glauben leben kann.

 

 

INT: Wie erklären Sie einem Laien auf die Schnelle den Shabbat? Was sollte man beachten?

 

 

In der jüdischen Tradition beginnen Tage mit dem Sonnenuntergang. Shabbat beginnt also Freitag Abend und dauert bis Samstag Abend. An diesem Tag sind in Israel üblicherweise alle Geschäfte und Restaurants geschlossen. Israel hat eine Sechs Tage Woche, der Sonntag ist der erste Arbeitstag der Woche.

 

In Touristenzentren sind viele Restaurants und Geschäfte mittlerweile auch am Shabbat offen.

 

 

INT: In Israel begegnet man auch bewaffneten Soldaten und Soldatinnen. Für manche ein ungewohntes Bild

 

 

… aber auch eine gute Gelegenheit, bestehende Vorurteile über die „israelische Armee“ zu berichtigen. In Israel sind alle Männer und Frauen wehrpflichtig, die Armee leistet einen großen Beitrag, die Einwanderer aus über 140 Ländern in die israelische Gesellschaft zu integrieren. Die Armee beschützt ihre Bürger und sie tut das mit Wärme und Menschlichkeit, eben weil die Armee aus den Bürgern des Landes besteht.

 

Wer einmal ein Gruppe junger Soldatinnen kichernd und kitternd in einem Restaurant sitzen gesehen hat, kann über manche Berichte unserer Medien über die israelische Armee nur noch den Kopf schütteln.

 

 

INT: Nach dem Militärdienst ist es in Israel fast schon Tradition, sich auf den Israel National Trail zu begeben. Was bedeutet der Shvil Israel für einen Einheimischen?

 

 

Das kannst du sicher selber besser beantworten, du hast auf dem Trail doch viele junge Israelis getroffen

 

 

INT: Nirgendwo am Israel Trail entdeckt man Müll oder Abfall. Was bedeutet den Israelis Umweltschutz?

 

 

Eben weil das Land Israel vor wenigen Generationen noch unbewohnbare Wüste war, haben die Menschen dort ein ganz besonderes Verhältnis zur Natur. Jeder Baum im Land ist von Menschenhand gepflanzt, jeder Tropfen Wasser wird mehrmals genutzt, jeder Wasserlauf ist eigens angelegt – da ist es naheliegend, sorgsam mit der Natur umzugehen. Das kann man sogar aus dem Weltall sehen: mit Google Earth kann man das grüne Israel inmitten unwirklicher Wüste erkennen.

 

 

INT: Was treibt Sie an, sich unermüdlich für Israel einzusetzen?

 

 

Die Liebe zu den Menschen dort.

 

 

INT: Zum Schluß noch ein Satz zum Vervollständigen: Wer nach Israel geht, …

 

 

… nimmt Teil am größten Wunder in der Geschichte der Menschheit!

 

 

 

 

Das Interview im Original: http://www.israel-trail.com/ueber-israel-und-die-sicherheit-am-israel-trail/

 

 

Über den Autor:

 

Andy Eggert ist Vorstand der Allgäuer Israelfreunde und Organisator des Kemptener Israeltags, sowie Administrator der FB Seiten „Allgäuer Israelfreunde“ und „Israelische waren in Deutschland kaufen“

 

 

Über die Allgäuer Israelfreunde:

 

Die Allgäuer Israelfreunde e.V. sind eine gemeinnützige Organisation.

 

Ein wichtiges Ziel der „Allgäuer Israelfreunde e.V.“ ist es, die Beziehungen zwischen den Menschen im Allgäu und in Israel zu vertiefen. Den „Allgäuer Israelfreunden“ ist es wichtig, Verständnis für die Religion, die Geschichte und die Kultur in Israel zu fördern und Aufklärung über die gegenwärtige Situation in Israel zu leisten.

 

Darüber hinaus wollen die „Allgäuer Israelfreunde“ Treffpunkt für an Israel interessierten Menschen und eine Anlaufstelle für im Allgäu lebende Israelis sein.

 

Die regelmäßigen Stammtische und Veranstaltungen sind offen für alle Interessierten und werden öffentlich angekündigt. 

 

Mehr:

 

http://www.allgaeuer-israelfreunde.de/

 

https://www.facebook.com/allgaeuer.israelfreunde.de/?fref=ts



 

 

 

Hauptrede bei der Demo gegen Antisemitismus und Antizionismus,

Kempten, 16. August 2014

 

Liebe Freunde, 

 

wenn man in den letzten Tagen und Woche die Zeitungen aufschlägt oder im Fernsehen die Nachrichten anschaut, dann merkt man schnell, dass es einen Lieblingskrieg der Deutschen gibt: nämlich den zwischen Israelis und den Palästinensern.

 

Schauen wir mal ein paar Monate zurück: Das palästinensische Flüchtlingslager wurden vor von der Armee umstellt. Strom und Wasser wurden abgestellt. Die Nahrungsmittelversorgung wurde komplett unterbrochen. Das Lager wurden ausgehungert, bis Menschen in den Häusern an Hunger starben. Danach wurde das Lager gestürmt und viele der überlebenden Palästinenser massakriert. Allein bei diesen Aktionen sind mehr palästinensische Zivilisten, Männern, Frauen und Kinder, ums Leben gekommen als im aktuellen Gaza-Konflikt.

 

Haben ihr davon gehört? Nein, habt ihr nicht!

 

Dummerweise für die Bewohner war dieses palästinensischen Lager, es heißt Yarmouk, nämlich nicht in Israel, sondern ein paar Kilometer nordöstlich, in Syrien. Der Angreifer war die syrische Armee, nicht die israelische. 180.000 Palästinenser wurden vertrieben. Niemand in Deutschland hat sich für das Leiden und Sterben der Palästinenser dort interessiert. Nicht die deutsche Öffentlichkeit, nicht die Palästina-Freunde, noch nicht einmal die muslimischen Gemeinden. Es gab keine Demonstrationen und keine Plakate "Kindermörder Syrien" oder "Apartheidsstaat Syrien"

 

Seltsam. 160.000 ermordete Araber in Syrien regen bei uns niemanden auf. Hunderttausende vertriebene irakische Christen lassen uns völlig kalt. Und tausende verhungerte und ermordete Palästinenser interessieren uns auch nicht.

 

Wenn man es nicht Israel anhängen kann, geht niemand bei uns auf die Straße. Die Gegendemonstration dort drüben ist ein gutes Beispiel dafür. Wo wart ihr, als die ISIS angefangen hat, Christen zu kreuzigen?

 

Wenn Israel beteiligt ist, dann gehen die Menschen in Massen auf die Straßen, dann kann man unsägliche Plakate in den Fußgängerzonen sehen, dann hört man "Jude, Jude, feiges Schwein, komme heraus und kämpf allein" oder, für die, die sich so lange Texte nicht merken können: "Juden ins Gas!"

 

Und unsere Medien, alle Medien: Zeitungen, Fernsehen, Radio, Internet erzählen uns Tag für Tag ein Märchen:

 

Es ist die Geschichte von der einen Million armen, vor sich hin vegetierenden Palästinensern, die in dem "Freiluftgefängnis" Gaza auf engstem Raum eingesperrt sind und von Israel belagert und angegriffen werden, wobei vor allem kleine Kinder und Frauen sterben. Es ist die Geschichte vom "palästinensischen Auschwitz", vom "Völkermord an den Palästinensern" und vom "Kindermörder Israel"

 

Mit Märchen ist das so eine Sache. Wenn man erwachsen ist, interessieren einen Fakten. Also, schauen wir uns gemeinsam Fakten an:

 

Der Gaza-Streifen ist 360 Quadratkilometer groß, hat mehrere Städte und dazwischen weite, unbebaute Flächen. Er wird heute bewohnt von schätzungsweise 1,6 Millionen Arabern, was ca. 4.600 Einwohnern pro Quadratkilometer entspricht.

 

Ist das jetzt ein "Freiluftgefängnis"?

 

Schwer zu sagen. Um das zu beantworten müssten wir nach München fahren. Denn diese Stadt hat in etwa die gleiche Größe und dieselbe Bevölkerungszahl wie der Gaza-Streifen. Auch in München leben in etwa 4.600 Einwohner pro Quadratkilometer. Ob die Münchner wissen, dass sie in einem "Freiluftgefängnis auf engstem Raum dahinvegetieren"?

 

Ist jemand aus München hier? Jetzt wisst ihr, wo ihr lebt! !

 

Und weil wir gerade dabei sind: es gibt noch mehr, dass München mit dem Gaza-Streifen verbindet: und ihr werden es mir nicht glauben: Millionäre. Und ich meine Dollar- und Euro-Millionäre, nicht Shekel. Mahmud Abbas, Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde und sicher kein Freund Israels, spricht von 800 Millionären und 1.600 Beinahe-Millionären im Gaza-Streifen. So ganz arm sind sie also nicht.

 

Sind die unter der israelischen Blockade leidenden Bewohner Gazas denn wenigstens unterernährt?

 

In der Süddeutschen habe ich am Donnerstag gelesen: "Tieren im Zoo geht es besser als Menschen in Gaza" Schauen wir also mal nach: in internationalen Vergleichstabellen zur Fettleibigkeit belegen die Frauen in Gaza weltweit Platz 8 und die Männer sogar Platz 3.

 

(Jetzt wisst ihr auch, warum sie die Tunnel in Gaza so breit bauen!)

 

Die Menschen in Gaza leben länger und gesünder als die Menschen in den meisten arabischen Ländern und die Quote bei untergewichtigen Babys liegt mit 1,5% fast auf europäischem Niveau. Keine Ahnung, welchen Zoo die Süddeutsche meint.

 

2005 hat Israel einseitig den Gaza-Streifen verlassen. Man hat den Juden in Gaza versprochen, es werde Frieden geben, wenn sie die Ortschaften, in denen sie 38 Jahre lang gelebt und gearbeitet haben, verlassen. Es sollte eine große Friedensgeste Israels sein.

 

Mehr noch: um den Bewohnern von Gaza eine Lebensgrundlage zu geben, wurden die gesamte israelische Nahrungsmittelindustrie dort: Felder, Maschinen und Gewächshäuser den Arabern übergeben.

 

Um zu verstehen, was danach passiert ist, müssen wir Gaza verlassen und etwa 15 Kilometer nordöstlich in eine wunderschöne, kleine Stadt gehen: Sderot.

 

Sderot ist eine Kleinstadt mit etwa 19.000 Einwohnern, etwa so groß wie Marktoberdorf. Es gibt dort Schulen, Verwaltungsgebäude, Parks und schöne, breite Straßen.

 

Was Sderot von Marktoberdorf unterscheidet sind die komischen Bushäuschen, die alle paar Meter an allen Straßen stehen. Kleine, lustig bemalte Bushäuschen aus verstärktem Beton. Auf allen Kinderspielplätzen und in Schulhöfen stehen lustige, Schlangen ähnliche Gebäude, auch lustig bemalt und auch aus verstärktem Beton.

 

Ich war letztes Jahr mit meiner Frau in Sderot. Wir haben dort ein Hilfsprojekt für Schulkinder besucht. Wir kennen die Stadt und ihre Menschen gut. Aber was hat Sderot mit dem einseitigen israelischen Rückzug aus dem Gaza-Streifen zu tun?

 

Nun, 2005 hat sich Israel um des Friedens willen aus Gaza zurückgezogen. Den Arabern wurde eine blühende Nahrungsmittel-industrie überlassen. Was ist passiert? Die Araber haben die Felder, die Gewächshäuser und die Fabriken zerstört und statt dessen in den ehemals jüdischen Siedlungen Abschussbasen für ihre Raketen aufgebaut.

 

Es ist kaum zu glauben, aber der "Rückzug für den Frieden" hat einzig dazu geführt, dass die Anzahl der Raketenangriffe auf israelische Städte um 500% zugenommen haben - und zwar zehn Jahre vor dem jetzigen Gaza-Krieg, mitten im sogenannten "Frieden" und ohne jede israelische "Blockade"

 

Und damit kommen wir zu der hübschen, kleinen Stadt Sderot. In den letzten 10 Jahren sind auf diese Stadt 8.400 Raketen niedergegangen, ohne dass hier in Deutschland irgendjemand davon Notiz genommen hat.

 

Umgerechnet sind dass knapp 3 Raketen pro Tag, jeden Tag, jedes Jahr, 10 Jahre lang. Selbst die kleinsten Raketen der Hamas haben durch die Metallteile, die eingebaut werden, einen Tötungsradius von mehr als 80 Metern. Sie können Dächer, Außenwände und Betondecken durchschlagen.

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Würde eine davon hier auf dem Vorplatz einschlagen - 80 Meter Radius - rechnet es euch aus. Die großen, im Iran gebauten Miteilstreckenraketen haben einen 160 Kilo Gefechtskopf. Würden eine davon hier einschlagen, dann wäre das Forum Allgäu eine rauchende Ruine voller Toter.

 

3 Raketen am Tag. Das bedeutet, dass ihr jederzeit mit einem Angriff rechnen müsst, Tag und Nacht, das ganze Jahr über. Das bedeutet, dass ihr euch jeden Tag fragen müsst, ob eure Kinder sicher zur Schule gekommen sind, ob dem Partner im Büro etwas passiert ist oder ob die Großeltern mit ihrer Gehbehinderung rechtzeitig in den Schutzraum gekommen sind.

 

Und weil Sderot so nah am Gazastreifen ist, bleiben euch genau 15 Sekunden, um euch in Sicherheit zu bringen. 15 Sekunden, um in den "komischen Bushäuschen" Schutz zu finden. 15 Sekunden für die Kinder auf dem Spielplatz, um in die "Schlangen" zu kommen, 15 Sekunden für die Großeltern, um den Bunker im Haus zu erreichen.

 

Und so läuft das ab: die Hamas schießt eine Rakete ab. Israel löst "Zewa Adom" aus und für 15 Sekunden heulen überall in Sderot die Sirenen.

 

15 SEKUNDEN SIRENE

 

Einschlag! Wenn ihr jetzt noch nicht im Bunker sind und Pech habt, dann seid ihr tot oder schwer verletzt.

 

Könnt ihr euch vorstellen, was es bedeutet, so zu leben? Könnt ihr euch vorstellen, was es bedeutet, in so einer Umgebung Kinder groß zu ziehen? Täglich zur Arbeit zu gehen und die Familie zu Hause zu lassen? Nicht zu wissen, ob abends das Haus noch steht?

 

Meine Frau und ich waren in einer Schule in Sderot und haben dort mit Betreuern über die traumatisierten Kinder gesprochen. Auch über die durch Raketentreffer verstümmelten Kinder. Es war herzzerreißend.

 

Und das alles, ohne dass von Sderot jemals irgend eine Bedrohung für Gaza ausgegangen ist. Nicht die geringste.

 

So, und jetzt sind wir schon beim aktuellen Gaza-Krieg.

 

2007 hat die Hamas in Gaza gegen die palästinensische Autonomiebehörde geputscht und zur Feier ihres Sieges erst einmal ein paar Tausend Verwaltungsbeamte auf die Hochhäuser geführt und von dort auf die Straße geworfen. Dann wurde die Scharia in Gaza eingeführt, allen Frauen die Berufsausübung verboten und die Burka verordnet. Musik, Kino, Lachen und Singen in der Öffentlichkeit ist verboten und wird schwer bestraft.

 

Die Hamas brach sofort den Friedensvertrag von Oslo und nutze die internationale Hilfe für Gaza - ungefähr 2,5 Milliarden Euro pro Jahr , davon rund 80 Millionen von unserem Steuergeld - nicht, um den Lebensstandard der Bewohner zu heben, Häuser, Schulen oder Straßen zu bauen - wofür diese Hilfe ja vorgesehen war. Die Hamas investierte die Hilfsgelder planmäßig in den Kauf von Mittelstreckenraketen - 2014 hat sie ca. 10.000 Raketen gelagert - und in eine neue, sehr kostspielige Waffe gegen Israel: den Terrortunnel.

 

Die Hamas hat - ohne dass es Israel gemerkt hat - hunderte Tunnel gegraben. Ganz Gaza ist mittlerweile untertunnelt, die gesamten Baukosten dafür belaufen sich auf mehrere hundert Millionen Dollar aus europäischen und amerikanischen Hilfsgeldern. Heute weiß man, dass bei diesen Grabungsarbeiten unzählige Erwachsene und mindestens 160 arabische Kinder gestorben sind.

 

Am gefährlichsten sind die Angriffstunnel unter der israelischen Grenze hindurch. Die Hamas hat dort Waffen, israelische Uniformen, Narkosemittel und Motorräder gelagert.

 

Der Plan war folgender: mit den Raketen eröffnet die Hamas ein Sperrfeuer gegen Israel. Mit den neuen iranischen Mittelstrecken-Raketen wird der internationale Flughafen Ben Gurion lahmgelegt und Israel so vom Rest der Welt abgeschnitten.

 

In diesem Chaos brechen hunderte Hamas Kämpfer in israelischen Uniformen durch die Terrortunnel jenseits der Grenze. Einige Einheiten töten so viele israelische Zivilisten wie sie können in den Dörfern rund um Gaza - denkt an Sderot! Andere fahren mit den Motorrädern die Küste hoch und verbreiten Tod und Zerstörung im ganzen Süden. Es war auch geplant, eine große Anzahl israelischer Zivilisten gefangen zu nehmen, sie zu betäuben und sie durch die Tunnel nach Gaza zu verschleppen.

 

Für die ganze Aktion gab es ein festgelegtes Datum: Freitag, 26. September 2014, das jüdische Neujahrsfest Rosh HaShanah. Israel hatte von dem ganzen Plan keine Ahnung.

 

Am Donnerstag, den 12. Juni entführten Hamas Terroristen drei israelische Jugendliche.

 

Dieses Verbrechen löste in Israel löste eine massive Suchaktion aus. Dutzende Hamas-Führer in Judäa und Samaria wurden verhaftet, ganze Orte durchsucht.

 

Das veranlasste die Hamas-Führung dazu, mit dem Raketenbeschuss Israels früher als geplant zu beginnen. Allein am 8. Juli wurden 250 Raketen auf Israels Städte und Dörfer abgefeuert. Insgesamt wurden vom 8. Juli bis zum 5. August 3.360 Raketen auf israelische Zivilisten abgefeuert. Nicht eine einzige Rakete zielte auf die israelischen Panzer rund um Gaza oder auf die israelischen Soldaten dort.

 

Von den 3.360 abgefeuerten Raketen

 

schlugen 2.303 in Israel ein, davon 115 in Wohngebieten

584 wurden durch den Iron Dome abgefangen

und, was man hier nie hört, 475 der Raketen landeten innerhalb des Gazastreifens. Ein guter Teil der palästinensischen Opfer wurde also durch ihre eigenen Raketen verursacht.

 

Interessant ist auch, von wo die Hamas ihre Raketen abfeuert. Ihr wisst, dass es in Gaza weite, unbesiedelte Flächen gibt. Dort wären keine Zivilisten betroffen. Statt dessen wählte die Hamas folgende Orte für ihre Raketenterror:

 

597 Raketen wurden aus zivilen Häusern abgefeuert

260 Raketen aus Schulen

160 Raketen aus Moscheen und religiösen Einrichtungen

127 Raketen aus Friedhöfen

und 50 Raketen aus Krankenhäusern

 

Vergesst dabei bitte nicht, dass in Israel neben 6 Millionen Juden auch 1,3 Millionen Araber als gleichberechtigte Staatsbürger leben. Auch die hat die Hamas im Visier, auch diese Bürger werden vom israelischen Zivilschutz geschützt, während 15% der Hamas Raketen unter ihren eigenen ungeschützten Zivilisten einschlagen.

 

Mit Beginn der Kämpfe hat die israelische Armee die Bedrohung durch die Tunnel erkannt und seit dem 17. Juli werden die Tunnel, einer nach dem anderen, geortet und zerstört.

 

Nach Erreichung dieses Ziels hat sich die israelische Armee Mitte August fast vollständig aus dem Gaza-Streifen zurückgezogen.

 

Während all der Kämpfe und während des Raketenhagels auf Israel wurden und werden die Bewohner des Gaza-Streifens von Israel versorgt. Vom 8. Juli bis zum 5. August lieferte Israel unter anderem

 

1.856 Lastwagen mit 40.550 Tonnen Gütern, davon

37.000 Tonnen Nahrungsmittel

1.700 Tonnen humanitäre Güter

1.000 Tonnen Medizin und medizinisches Material

außerdem wurden in Gaza ein Notkrankenhaus errichtet und schwere Fälle nach Israel zur Behandlung gebracht.

 

Durch die Kriegshandlungen sind etwa 1.100 Terroristen getötet worden, was eine gute Nachricht ist.

 

Leider unternimmt die Hamas nichts zum Schutz ihrer Zivilisten, sondern benutzt sie im Gegenteil noch als "menschliche Schutzschilde". Israel warnt grundsätzlich jedes angegriffene Privathaus per SMS oder Flugblätter.

 

Im Laufe der Kämpfe hat Israel 10 Waffenruhen ausgerufen, damit sich Zivilpersonen aus den Kampfgebieten in Sicherheit bringen können. Die Hamas hat alle 10 Waffenruhen gebrochen.

 

Deswegen sind leider auch ca. 600 arabische Zivilisten ums Leben gekommen. Scheinheilig klagt Hamas über Verbrechen an Zivilisten und scheinheilig laufen bei uns in Deutschland verblendete Menschen mit Plakaten "Kindermörder Israel" durch Fußgängerzonen.

 

Die Toten von Gaza sind eine Tragödie, genau wie die toten Israelis, aber die Schuld für beides liegt bei der Führung der Hamas, die auf den Trümmern von Gaza eine Siegesparade abgehalten hat.

 

Israel kämpft nicht gegen die Palästinenser, Israel kämpft nicht gegen die Bewohner von Gaza. Israel kämpft einen legitimen Verteidigungskrieg gegen eine mörderische Terrororganisation.

 

Und dabei gilt, was im Nahen Osten seit 1948 gilt:

 

"Wenn die Araber ihre Waffen niederlegen,

 

wird es keinen Krieg mehr geben.

 

Wenn Israel seine Waffen niederlegt,

 

wird es kein Israel mehr geben"

 


Eröffnungsrede zur Demo gegen Antisemitismus und Antizionismus
Kempten, 16. August 2014

 

 

Liebe Freunde, …......... Shalom

 

WOW, ich bin überwältigt, dass ihr heute so zahlreich erschienen seid.

 

Ich weiß, es gehört Mut dazu, sehr viel Mut sich

 

f ü r Israel und f ü r die Juden einzusetzen.

 

Wir leben zwar in einem aufgeschlossenen freiheitlichen Land aber

 

es ist trotzdem nicht einfach, ja, manchmal nicht ungefährlich, öffentlich für etwas

 

einzustehen, das dem Mainstream entgegensteht.

 

Der menschenverachtende Hass, der heute in Zusammenhang mit Israel und Juden

 

herrscht, schlägt manchmal auch uns entgegen.

 

Über die Handlungen der israelische Regierung kann man trefflich streiten.

 

Man kann sie auch kritisieren. Genau das tun die Israelis in Israel auch.

 

 

Darum geht es aber heute nicht

 

Es geht uns um die Menschen--- in Israel und hier!!!

 

 

Lasst mich einfach mal  von mir reden. Ich bin ein Nachkriegskind, d.h. Ich wurde

 

laaange nach dem zweiten Weltkrieg geboren. Ich habe nie verstanden wie

 

Menschen so entmenschlicht sein und dieses Grauen zulassen konnten.

 

Aber ich fand auch, es wäre es Genug mit dem „ Asche auf unser Haupt“ und

 

dem „ Sich-Schämen-müssen für Deutschland“. Ich wollte in die Zukunft schauen.

 

Ich war persönlich nicht verantwortlich.

 

Aber jetzt trage ich Verantwortung !!!!!

 

Jetzt tragen wir alle die Verantwortung

 

denn in unseren Land hat sich die Büchse der Pandora geöffnet..

 

 

Nie wieder Judenhass“ !!

Das war allgegenwärtige Meinung.

 

So etwas darf nie wieder passieren“ !!!

Das war allgegenwärtige Meinung.

 

und heute:

 

In den Foren im Netz und in Fußgängerzonen in ganz Deutschland waren sie

 

wieder zu hören: hasserfüllte, judenfeindliche Parolen --------

 

ohne entsetzten Aufschrei und

 

ohne jede Konsequenz für die Beteiligten!!!!!!

 

 

Eigentlich wollte ich Euch hier einen Überblick geben, welche Anfeindungen,

 

verbalen und körperlichen Attacken Juden heute hier in Deutschland heute wieder

 

ausgesetzt sind

 

Aber ich will dieses furchterregende Geschwafel nicht wiederholen, ich will nicht,

 

dass sich dieser Mist in unseren Köpfen festsetzt.

 

Vielleicht geht es aber anders::

 

„Nur ein toter Araber ist ein guter Araber“

 

Ihr seid – zu Recht - empört!

 

Die Schwulen brauchen einen Hitler!

Alle Lesben vergasen!

Alle Muslime ausrotten!

Neger, Neger, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!“

.

 

Mittlerweile seht ihr euch wahrscheinlich schon nach Tomaten oder Eiern um, weil ihr solche schwachsinnigen und doch gefährlichen Äußerungen gar nicht hören wollt.

 

Ersetzt nun mal die Begriffe Araber, Schwule, Lesben und Neger durch das Wort

 

Jude, dann wisst ihr, was in ganz Deutschland im Netz und auf sogenannten

 

Pro-Palestinensischen Demonstrationen zu hören ist

 

Und keiner der sich darüber aufregt oder etwas dagegen unternimmt.

 

Halt, so ganz stimmt das nicht!

 

Billd.de hat sich klar vom Judenhass distanziert:

 

In einem Kommentar heißt es: ich zitiere:

 

  • Wir bei BILD und BILD.de wollen solche Menschen nicht.

  •  

  • Wir wollen sie nicht als Leser, nicht als User, nicht als Facebook-Freunde, nicht als Twitter-Follower

  •  

  • Wir wollen mit Ihnen nichts zu tun haben

  •  

  • Wir wollen Ihr Geld nicht, ihre Klicks nicht, ihre Zeit nicht, ihre Aufmerksamkeit nicht

 

Meine Hochachtung für die Redakteure von der BILD-Zeitung !!!! Hier geht es nicht nur um Meinungsäußerung. Hier geht es knallhart um wirtschaftliche Interessen, die bewusst und gewollt aufs Spiel gesetzt werden, um zum Ausdruck zu bringen.

 

In Deutschland ist kein Platz für diesen Irrsinn. Heute nicht, morgen nicht, niemals.“

 

Aber offensichtlich spielt Deutschland doch verrückt.

 

Die ZEIT, deren Leser ich immer für besonders gebildet gehalten habe, berichtete über den Tod von Robin Williams. In der Community hatte sich offensichtlich die irrtümliche Meinung gebildet, Robin Williams sei Jude gewesen

 

Von 310 Kommentaren zu dessen Tod wurden seitens der ZEIT-Redaktion weit mehr als die Hälfte „entfernt, da antisemitisch und hetzerisch“

 

Ach jaaaaa und die Politik......

 

Frau Merkel und auch der Herr Gauck haben verlauten lassen, dass

 

antisemitische Äußerungen hier nichts zu suchen haben. … A b er.... , wo bleiben

 

Konsequenzen für die Verursacher!!!!!!.

 

 

Wo bleiben die deutschen Wutbürger, die sich vehement für Mopfsfledermäuse und Juchtenkäfer einsetzen.

 

Selbst ein Protest für den Erhalt eines Baumes erhält Zulauf von Bürgern, von denen Israelfreunde nur träumen können.

 

Hier geht es aber um weit mehr

 

  • es geht um unser Wertesystem

  •  

  • es geht um unsere freiheitlich demokratische Grundordnung.

  •  

  • es geht darum..... Verhetzungen, Erniedrigungen und Beleidigungen kein Podium zu bieten.

  •  

  • es geht darum... unsere jüdischen Mitbürger zu schützen.

  •  

  • es geht darum ...Menschen, die hier leben, arbeiten und Ihre Kinder großziehen eine sichere Heimat zu bieten. Diese Menschen sollen nicht in Angst und Schrecken leben müssen. Nicht die Juden in Deutschland sollten zu Ihrem Schutz auf das Tragen der Kippa in der Öffentlichkeit verzichten, wie der Zentralrat der Juden empfohlen hat, -----nein ---- wir alle sollten Kippas aufsetzen, um unsere Solidarität zu bekunden.

  • und es geht um unsere historische Verantwortung den Juden gegenüber

 

 

Wir hier in Deutschland Land dulden keine Hetze und Parolen gegen Juden. Wir

 

erheben unsere Stimmen und verteidigen unsere Werte. Wir brauchen jede Stimme

 

um zu demonstrieren, dass der überwältigende Anteil der Menschen in

 

Deutschland geschlossen und ohne zu wanken gegen diesen Hass steht.

 

 

In Deutschland ist kein Platz für diesen Irrsinn, heute nicht morgen nicht, niemals.

 

 

Mein Anliegen am Schluss:

 

Wir sollten nicht gegen ETWAS oder gegen JEMANDEN sein.

 

 

Wir sind

 

FÜR ein friedvolles Miteinander mit unseren jüdischen Mitbürgern

 

wir sind

 

FÜR ein friedvolles Miteinander der Völker im Nahen Osten

 

und so lasst mich schließen mit dem Lied, das Israelische Abgesandte seit jeher auf der ganzen Welt singen:

 

Wir bringen Euch den Frieden !!!!!!

 

Hevenu Shalom Alechem

 

 

Danke !!!!

 

 

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